Blaues Kreuz Leipzig e.V.
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Kon08 takt
An dem Tag meiner Konfirmation habe ich das erste Mal Alkohol getrunken, da war ich 14. Es war ein  Glas Sekt, das mich von innen erwärmte, und ich merkte, dass es mir schmeckt und es eine positive  Wirkung auf mich hat. Immer öfter probierten wir jetzt auch im Freundeskreis wie viel wir vertragen  können. Zu dieser Zeit habe ich aufgrund meines Rückenproblems ein Korsett getragen, ich hatte  eine Sportbefreiung. In der Schule wurde ich gehänselt, hatte Minderwertigkeitsgefühle und habe  mich nie wirklich wahrgenommen gefühlt… und dann kam der Alkohol, der mir all diese schlechten  Gefühle weggenommen hat. Ich habe zu der Zeit mit meiner Familie auf dem Land im Gemeindehaus  eines kleinen Dorfes gewohnt, und musste zur Christenlehre gehen. Eigentlich war meine Kindheit  sehr schön, es war ein großer Garten direkt am Haus, mit einem Fluss als Begrenzung und einigen  Obstbäumen, in dem ich alle Freiheiten genießen konnte.  Umso mehr habe ich unter dem Korsett  und der damit verbundenen Bewegungsunfähigkeit gelitten. Da ich immer schon sehr dünn war, habe ich nicht viel Alkohol vertragen, jedoch konnte ich damit vor meinen Freunden protzen, da ich immer  sehr schnell ziemlich angeheitert war, ohne viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Es kam wie es  kommen musste, die Leistungen in der Schule sanken, und Bier und Schnaps wurden immer  wichtiger. Da das Korsett mein Rückenleiden nicht lindern konnte, wurde ich im Alter von 15 Jahren operiert.  Nach der Operation war ich froh: statt des Korsetts hatte ich nun einen Stab zum Halten des  Rückens in mir, leider half auch das nicht lange. Die Verkrümmung meines Rückens war so schlimm,  dass der Stab gebrochen war und eine zweite OP anstand. Im Krankenhaus lernte ich Menschen  kennen, die kifften, auch gegen ihre Schmerzen. Ich sah das als gute Alternative zu Tabletten und  habe meinen ersten Joint geraucht.   Am Anfang war es sehr unregelmäßig, ich hatte noch keine  Kontakte und wusste nicht woher ich das Zeug bekommen konnte. In der Schule musste ich dann die 10. Klasse wiederholen und kam so in Kontakt mit Mitschülern,  die regelmäßig kifften. Nun bot sich mir öfters die Gelegenheit nach der Schule ein Joint zu rauchen  und vorerst trank ich weniger Alkohol, da ich zu dieser Zeit die Mischung von Alkohol und Kiffen noch  nicht so gut vertrug. Irgendwann musste ich mich auf meinem Dorf zwischen den Säufern (mein  alter Freundeskreis) und den Kiffern entscheiden. Leider entschied ich mich für die Kiffer und verlor  dadurch einen guten Freund – was ich bis heute bereue. Schon in den Anfängen schaffte es die  Droge Freundschaften zu zerstören. Für meine Ausbildung zog ich nach Thüringen in ein kleines Dorf und begann dort eine Ausbildung.  In der Berufsschule saß zufällig ein Dealer gleich neben mir. Mit der Zeit kamen die ersten Kontakte  zur linken Szene, in der ich immer besser lernte, beide Drogen (Alkohol und Kiffe) zu kombinieren.  Mein Leben stand auf der Kippe, mein Eltern lebten in Scheidung, ich fühlte mich vogelfrei. Mit 17  erwachte ich mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.   Nach nicht einmal 1,5 Jahren habe ich diese Ausbildung beendet. Ich sehe das heute als großes  Glück, wer weiß wo ich mit der Szene noch hingeraten wäre. Mein Weg führte mich zurück in das  Dorf meiner Schulzeit. Ich besuchte 2001 zum ersten Mal eine Suchtberatungsstelle. Bis zur ersten  Entgiftung in Elbingerode dauerte es jedoch noch fünf Jahre. Durch die Kontakte meines Vaters  begann ich in einem Betrieb als Minijobber zu arbeiten, das schaffte mir genug Zeit und Geld, um  mich jeden Tag abzufüllen und zu kiffen, bis ich mich nicht mehr bewegen konnte. Auch ein späteres  Alkoholverbot der Kollegen half nicht. Immer wieder erwachte ich in Situationen, die ich mir nicht  erklären konnte. Der einzige, der mich noch besuchen kam, war mein Dealer.   Meine Lebensumstände machten mir mehr und mehr Angst, ich wusste morgens nicht mehr, was ich  abends getan hatte. 2006 ging ich zur Entgiftung. Ich konnte keinen zusammenhängenden Satz  mehr sprechen.   Als ich nach Hause kam, war alles wie vorher. Ich begann meinen Alkoholkonsum als nicht ganz  normal zu erkennen…und stürzte weiter ab. Ende 2006 entschied ich mich für die Aufnahme in einer  geschlossenen Entgiftung. Von dort ging es zur Langzeittherapie. Bei der ersten Heimfahrt gab es  erst Alkohol und dann auch wieder Joints. Trotz sechsmonatiger Therapie gab es mehrere Rückfälle.   Familiäre Konflikte führten zu dem Entschluss in eine Nachsorgeeinrichtung zu gehen. Dort blieb ich  ein halbes Jahr und trank trotzdem wieder häufiger. Das Vertrauen, das mir entgegengebracht  wurde, habe ich missbraucht. Der christliche Samen wurde jedoch gelegt. Auch wenn ich den  Menschen dort sehr dankbar war, fasste ich den Entschluss wieder zu gehen. Mein Vater bot mir an, immer wieder nach Hause zu kommen, das war mein Untergang. Die alten  Dealer waren schnell wieder da, es gab nochmal einen schlimmen Rückfall von ca. drei Monaten.  Mein Vater warf mich raus, und ich war obdachlos.   Drei Monate musste ich noch einmal richtig verlieren, nicht nur Freunde, sondern auch gegen den  Alkohol. Eines Morgens wachte ich in einer Wohnung auf, ohne Strom, ohne Möbel, auf dem Boden  schlafend mit einer Flasche Bier in der Hand und der Erinnerung an die ersten abstinenten Tage in  der Therapie. In diesem Moment entstand der Wunsch in mir, mit dem Trinken aufzuhören. Ich  wünschte einen Tag, an dem ich nicht mehr anfange, mich auf den nächsten Rausch zu freuen. Ende  2007 ging ich inzwischen zum fünften Mal zur Entgiftung und konnte dort so lange bleiben, bis  erneut ein Therapieplatz gefunden war. Ich wollte mir keinen Plan mehr machen, wann ich das nächste Mal wieder saufen kann. Ich  erinnerte mich an die Predigt während meines ersten Aufenthaltes in Elbingerode „Marmor, Stein und  Eisen bricht, aber Gottes Liebe nicht“ ... mir war bewusst, dass Gott in meinen Gesundheitsprozess  mit hinein musste. Es war Gottes Geschenk, dass ich das zweite Mal innerhalb eines Jahres eine  Langzeittherapie beginnen konnte, und diese auch noch eine christliche Einrichtung war. Die  Menschen dort nahmen mich an, Menschen, die selber betroffen waren, machten mir Mut.  Bibelstunde und Gottesdienste gaben mir Kraft, ich wollte mich mit Menschen umgeben, die es  geschafft haben. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit gaben mir Halt und ließen mich mein Leben  wieder neu ordnen. Bis heute bin ich dankbar … ich habe erlebt, dass Gott meine Gebete erhört.   zurück >>> 
Stefan
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